Die Familie Petto
Geschichte

Die Familie Petto vom Hochwald

Drei Jahrhunderte — von den wallonischen Hüttenarbeitern am Züscher Hammer bis zur heutigen Familie.

um 1690–1735

Aus Wallonien in den Hochwald

Das Eisen hat den Hochwald geformt, lange bevor es die Familie Petto gab. Schon um 1300 klapperte im Allbachtal bei Züsch ein Hammerwerk; im Dreißigjährigen Krieg wurde es zerstört. Den Wiederaufbau betrieb ein wallonischer Einwanderer, Joseph de Hauzeur, der 1697 den Züscher Hammer gründete — bald das größte Eisenwerk des Hunsrücks. Er holte französischsprachige Arbeiter ins Land, die sich in Schmelz, Zinserhütten und den „Neuen Hütten“ niederließen. In Schmelz zählte man bald 29 katholische Familien, mehr als die Hälfte Wallonen mit französisch klingenden Namen.

Zu diesen Namen gehörte auch Petto — in den alten Kirchenbüchern noch in vielen Formen: Peton, Betto, Puteaux, Petaux, Petau, Petö. Erst um 1800 setzte sich die Schreibweise „Petto“ endgültig durch.1

Der Ahnherr aller Pettos vom Hochwald ist Jean Petton, gebürtig aus Montbronn (Mommbronn) bei Bitsch in Lothringen. Zum ersten Mal fassbar wird er am 17. Mai 1733, als er in Züsch als Taufpate eintritt; verheiratet war er mit Anna Paul. Aus dieser Wurzel wuchs über zehn Generationen die ganze Sippe.1

Köhler und Nagelschmiede

Die frühen Pettos lebten von dem, was der Wald und die Hütte hergaben: Sie waren Köhler und Nagelschmiede im Dienst des Eisenwerks — Menschen der Waldbaracken, die aus Holz Kohle brannten und aus Eisen Nägel schmiedeten. Es war ein karges Leben, dessen Not man später mit Korbflechten und Spielzeugmacherei zu lindern suchte.2

1792

„…und ersterben in Ehrfurcht“

Wie hart dieses Leben war, zeigt kein Dokument schöner als ein Protokoll des Oberamts Birkenfeld vom 12. Juli 1792. Der 26-jährige Johannes Petto von der Schmelz, „der sich mit Kohlenbrennen und Holzhacken ernährt und das Zeugnis eines fleißigen und ordentlichen Lebens hat“, bittet die badische Regierung um Erlaubnis, Maria Josten aus Züsch heiraten zu dürfen. Gegen ihn stand eine Verordnung von 1791, nach der von den „Barackenleuten“ nur ein Kind heiraten durfte, damit ihre Zahl nicht überhandnähme — und seine Schwester war schon verheiratet.

„An Vermögen haben beyde gegenwärtig noch nichts und nach der Eltern Tod zusammen 100 fl. zu hoffen. Wir überlassen das weitere höchstem Gutfinden und ersterben in Ehrfurcht.“ — aus dem Heiratsgesuch, Oberamt Birkenfeld, 12. Juli 17921

Das Gesuch wurde bewilligt: Am 21. Oktober 1792 wurde das Paar in der katholischen Kirche zu Züsch getraut. Doch schon 1795 starb die junge Ehefrau — Johannes heiratete 1796 in zweiter Ehe Katharina Sossong aus Neuhütten.1

1816–1835

Niedergang und Aufbruch

Ab 1777 verfiel das Eisenwerk, um 1835 erlosch es ganz — und mit ihm die Lebensgrundlage vieler Familien. Es begann die Zeit des Aufbruchs.2

1816 kehren Auswanderer, die ihr Glück im fernen Russland gesucht hatten, mittellos zurück — und werden wieder aufgenommen. 1833 besiegelt ein Vertrag die Umsiedlung von 69 Familien aus den übervölkerten Waldhütten-Dörfern. 1834 wandert Philipp Petto mit seiner Familie nach Temerin aus — damals Ungarn, heute Serbien — und begründet die „Linie Jugoslawien“. Um 1900 ziehen weitere Zweige nach Pittsburgh und Cleveland in die USA, nach Wiesbaden, Berlin und München.1

Aus dem Köhlerdorf im Hochwald war eine Familie geworden, die über zwei Kontinente verstreut lebte.

1982–1984

Das Familienbuch

1982 nahm Helmut Petto die Fäden auf: Gemeinsam mit einem Großcousin erforschte er die Nachkommenschaft ihres gemeinsamen Urgroßvaters Johann Petto. Über die Kirchenbücher von Züsch reichten die Spuren bis um 1800 zurück. Das Ergebnis — mehrere hundert Personen in dreizehn Familienlinien über zehn Generationen — hielt er im Buch „Die Familie Petto vom Hochwald“ fest, der Grundlage dieses Familienbereichs.1

Heute

Wieder vereint

Heute führt Michael Petto (10. Generation, Stammlinie Neuhütten) den Stammbaum digital fort — unterstützt von seiner Familie. Mit den heutigen Kindern steht bereits die 11. Generation im Stammbaum. So bleibt lebendig, was vor drei Jahrhunderten in einer Waldhütte am Züscher Hammer begann — gepflegt für die Nachkommen von morgen.

1  Die mit einem Stern bzw. dieser Ziffer markierten Angaben und das Zitat von 1792 stammen aus: Helmut Petto, „Die Familie Petto vom Hochwald“ (nach den Forschungen von Walter Petto, 1984). Die Originalakte liegt im Landeshauptarchiv Koblenz.

2  Regionalgeschichtlicher Hintergrund: Ortsgemeinde und Nationalpark Hunsrück-Hochwald, zur Geschichte von Neuhütten, Züsch und der Eisen- und Köhlerei-Industrie des Hochwalds.

Zeitstrahl

Drei Jahrhunderte auf einen Blick

Die wichtigsten Wegmarken der Familie — von der Gründung des Züscher Hammers bis heute.

um 1697

Der Züscher Hammer

Der Wallone Joseph de Hauzeur gründet bei Züsch das größte Eisenwerk des Hunsrücks und holt französischsprachige Arbeiter in den Hochwald.

um 1710–1720

Jean Petton

Der Ahnherr Jean Petton, gebürtig aus Montbronn in Lothringen, lässt sich im Hochwald nieder — Köhler und Nagelschmied, verheiratet mit Anna Paul.

1792

„…und ersterben in Ehrfurcht“

Johannes Petto bittet die badische Regierung um Erlaubnis, heiraten zu dürfen — ein bewegendes Zeugnis vom kargen Leben der Köhlerfamilien.

1816

Rückkehr aus Russland

Ausgewanderte kehren mittellos aus Russland zurück — und werden im Hochwald wieder aufgenommen.

1834

Aufbruch nach Temerin

Philipp Petto wandert nach Temerin aus — damals Ungarn, heute Serbien. Der Beginn der „Linie Jugoslawien“.

um 1900

In die Welt hinaus

Zweige der Familie ziehen nach Pittsburgh und Cleveland in den USA, nach Wiesbaden, Berlin und München.

1984

Das Familienbuch

Helmut Petto veröffentlicht — auf Grundlage der Forschungen von Walter Petto — „Die Familie Petto vom Hochwald“.

Heute

Digital wieder vereint

Michael Petto (10. Generation) führt die Familie digital wieder zusammen — unterstützt von seiner Familie, für die Generationen von morgen.